Es ist Anfang September, ein Dienstag. 

Der Wochentag, an dem bei uns der Hausmeister kommt, im Gemeinschaftsbereich1 wütet, Blumenwiesen und vom Nachbarn herüberhängende Cocktailtomaten niedermäht2, gefühlte 20-mal in einer halben Stunde die Feuerschutztür des Heizungskellers zuknallen lässt3, lustige Zettelchen aufhängt, dass wir jetzt gefälligst keine Kartonnagen mehr in der Altpapiertonne zu entsorgen haben – aus „gegebenem Anlass“ (ja nee, is klaar – letzten Mittwoch, als die Müllabfuhr grad in unsere Straße einbog, waren beide blauen Tonnen nur halbvoll) und so weiter und so fort. Der arme Kerl kann ja nix dafür, handelt ja auch nur auf Anweisung, aber irgendwie … na ja, egal, also, heute ist wieder Dienstag. Und heute läutet eben jener Hausmeister lautstark die wahnwitzige Laubbläser-Saison ein. Demnach ist wohl Herbst. Komisch, sonderlich viel Laub sieht man noch nicht liegen. Egal, ab jetzt begegnet einem wieder an jeder Ecke das Getöse dieser unsäglichen Krachmacher-Dinger. Und nächste Woche stehen wahrscheinlich die Schokoladen-Nikoläuse wieder im Regal (das Traurige daran ist, dass das wahrscheinlich tatsächlich genau so sein wird).

Ganz ehrlich, was soll der Bullshit? Es ist alles noch tropfnass vom Regen, der die letzten Tage bis heute Morgen noch unermüdlich geschuftet hat, um der Natur endlich mal wieder dringend benötigte Wassergaben zuzuführen. Nasse Blätter bewegen sich kein Stück. Und überhaupt sind bisher vielleicht zwei, drei Blätterchen gefallen, alles ist noch saftig grün. Man muss die vereinzelten gelben Blätter an den Bäumen schon richtig suchen. Trotzdem wie jedes Jahr wieder dieser Irrsinn. Womit hängt das zusammen? ABM-Maßnahmen? Beschäftigungsprogramm für Rentner, die der Hausfrau sonst nur im Weg stehen? Ordnungsfimmel?

In meinen Augen ist es einfach nur Zeitverschwendung, Lärmbelästigung, sinnlos verbranntes Benzin und ein Unding für die Natur. Laub weg von den Straßen seh ich ein, und für den Rasen ist es auch besser, dass da kein Laub drauf liegt. Aber überall sonst sorgen verrottende Blätter für frische humusreiche Erde und Schutzraum für Tiere wie den Igel sowie Frostschutz für Pflanzen (kahle Erde friert schneller durch und Pflanzen gehen leichter ein – logisch, dass dann als zwingende Konsequenz wieder die Verschotterung droht *augenroll*). Und hört mir bloß auf mit den gemeinfährlichen Laubsaugern, in denen dann jedes Jahr aufs Neue die Igel verenden!

Zum Abschluss fällt mir noch auf: Diese ständige An und Aus von den Dingern hat eine ganz andere Lärmqualität als das monotone Brummen von Rasenmähern im Sommer (da denke ich automatisch an warme Temperaturen und Sonnenschein, keiner mäht bei Regen). Es wird also wirklich Herbst, der Sommer ist bald vorbei. Seufz.

Nachtrag vom 12. September: Heute war es soweit, ich stand kopfschüttelnd im Supermarkt angesichts endloser Regalreihen voller Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteinen und so weiter.

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Fußnoten:

  1. das ausgedörrte Stückchen Land kann man wahrlich nicht als GemeinschaftsGARTEN betiteln
  2. hat er mir leider eine Woche zu spät gesagt, dass er die für mich hatte rüberhängen lassen
  3. Wie hieß es in der Werbung aus den 90ern so schön: „Besser, Sie sind nicht zu Hause.“

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