… geh voran, bleibt alles anders. – Herbert Grönemeyer, „Bleibt alles anders“, 1998

Der gute alte Herrrberrrt mit einem Lied, das ich auch nach über 20 Jahren noch gerne höre.

Man lernt nie aus, und das ist gut so, denn Stillstand ist der Tod. Ich würde das glatt ein bisschen als ein Lebensmotto von mir bezeichnen.1

Nur logisch also, dass ich den folgenden Satz als das wohl schönste Kompliment in meinem bisherigen Leben ansehe:

Ich liebe dich für deine Wissbegierigkeit

(danke, lieber Göttergatte :-x)

So vergeht also kaum ein längerer Zeitraum, ohne dass ich mir bei der einen oder anderen Kleinigkeit denke: „Wieder was gelernt“.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass der alte Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ noch gar nicht so lange wissenschaftlich widerlegt ist? Mittlerweile weiß man, dass sich auch das Gehirn eines Erwachsenen noch stetig weiterentwickelt. Diese Fähigkeit des Gehirns zur Änderung nennt man „Neuroplastizität“.2

Neurodingenskirchens war dann eben auch mit von der Partie, als ich mir vor fast zehn Jahren in den Kopf setzte, ich müsse mir meinen alten Kindheitstraum erfüllen und mit dem Klavierspielen beginnen. So ein lauter teurer Kasten war damals nämlich nicht drin, und so ging ich kleiner Stöpsel im Grundschulalter den „klassischen“ Weg: Nämlich immer schön brav mit meiner kleinen Blockflöte in der roten Ledertasche zur Musikschule. Nach einigen Jahren endloser Quälerei aller erwachsener Ohren um mich herum (ganz besonders in der Vorweihnachtszeit) setzte ich mir in den Kopf, auf die ach so schön klingende Querflöte umzusatteln … um dann grandios zu scheitern. Es war einfach nix für mich Ungeduldling, erst mal ein halbes Jahr damit zu verbringen, aus dem komischen Mundstück überhaupt einen Ton herauszubringen, bin ich überhaupt mal das ganze Ding zusammenzusetzen durfte, um mit den ersten einfachen Stücken zu beginnen. Nach einem Jahr oder so war dann Schluss. Seitdem weiß ich: Blasinstrumente sind einfach nicht mein Ding.3

So fand ich also 15 Jahre nach dem Querflöten-Fiasko heraus, dass ich eher ein Tastenmensch bin. Zwar war der Weg durchaus auch nicht immer ganz unsteinig, aber das, was man als erwachsener Schüler vielleicht an Schnelligkeit gegenüber den jüngeren einbüßt, macht man tatsächlich mit mehr Reife an anderer Stelle wett (Stichwort Frusttoleranz und Selbstmotivation).

Wer also schon immer mal etwas Bestimmtes lernen wollte und sich nun immer hinter der Ausrede versteckt „Dafür bin ich zu alt“, dem kann ich nur sagen: Bullshit. Einfach anpacken. Ihr werdet staunen, wie weit einen die Motivation eines lange gehegten Traumes tragen kann.

Gern würde ich jetzt behaupten können, dass ich nun also seit mittlerweile fast 10 Jahren Klavier spiele. Stimmt aber leider nicht. Richtig drangeblieben bin ich etwas mehr als zwei Jahre. 2012 war dann ein schwarzes Jahr in meinem Leben; an Klavier war während dieser Zeit nicht wirklich zu denken, und so verschwand mein mühsam erarbeitetes Können wieder. Einerseits schade, andererseits kam danach auch wieder sehr viel Gutes und so manches Neues in mein Leben. Seitdem ertragen die schwarzweißen Tasten es von Zeit zu Zeit stoisch, wenn’s mich mal wieder packt und ich mich durch Langvergessenes stümpere. Aber irgendwann wird die Zeit kommen, verlorene Fingerfertigkeit zurückzulocken und mit etwas mehr Konstanz und Stetigkeit abzutauchen in die Klangwelten des Pianofortes. Bis dahin wartet mein alter Freund mit dem glänzenden Lack geduldig auf mich (und vielleicht sogar auf ein paar Kinderhände, so sie denn Spaß daran haben; vielleicht können sie aber auch eher mit Blasinstrumenten was anfangen ;-)).

 

PS: Für den, der mag, hab ich meine Lieblingsklavierstücke in eine Playlist gepackt – ein paar der Stücke habe ich tatsächlich mal gespielt, an andere werde ich mich wahrscheinlich erst in weiteren 10 Jahren wagen können – aber es wäre ja langweilig, wenn man keine Ziele hätte …

 

 

 

PPS: Den Saiteninstrumenten gegenüber bin ich durchaus auch nicht ganz abgeneigt. Irgendwann hole ich auch die Gitarre wieder hervor. Und spätestens wenn ich in Rente gehe, muss ich mich vielleicht doch noch mal ins Wagnis Cello oder Bratsche stürzen … man ist schließlich nie zu alt für Neues!

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Fußnoten:

  1. „Gut ist zu wenig“ passt schon auch sehr gut, aber das ist ein anderes Thema ;-)
  2. vgl. https://www.i-rm.org/neuroplastizitaet/
  3. Wobei mich der Klang der irischen $wwtj( document ).ready( function() { add_wiki_box( 1, "117594", "Tin Whistle", "", "https://de.wikipedia.org/w/api.php", "https://de.wikipedia.org/wiki/Tin_Whistle", "default" ); } );Tin Whistle ja schon sehr fasziniert. Vielleicht befasse ich mich eines schönen Tages doch noch mal ernsthaft mit den Blechdingern im Keller, die ich mir eines schönen Tages in einem Anfall von Motivationsüberschuss gekauft hatte … dieser YouTube-Kanal war damals nicht ganz unschuldig an meinem Ausflug in die alte neue Flötenwelt – wer also ein neues Hobby sucht …

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