Olympiaberg. 60 Meter hoch. Die Lunge brennt.

Der Ischias klemmt, der Rücken ist eine chronische Schwachstelle, der Nacken ist dauerverspannt und die kleinen Dellen an den Oberschenkeln … nein, lassen wir das.

Meine Nackenschmerzen quälen mich seit mehr als einer Woche, nach links drehen geht maximal in Zeitlupe. Ich laufe als Streifenhörnchen rum, man sieht das blaue Meditape am Nacken. Mir wird Yoga empfohlen. Zweimal. Von zwei verschiedenen Ärztinnen. Bei denen ich wegen ganz anderer Dinge bin.

Eigentlich kenne ich ein gutes Yoga-Video für den Nacken. Ich mach’s nur nicht.

Warum eigentlich nicht? Ich ringe nach Ausreden.

Ich war’s nicht … nee, passt in dem Fall nicht, diese Ausrede.

Schweinehund?… Warum eigentlich immer Schweinehund? Warum nicht mal was Exotisches? Giraffengnu vielleicht?

Nein, jetzt mal im Ernst. Ich bin eigentlich nicht faul. Ich mache (zumindest phasenweise) viel, aber irgendwie kommen so ein paar Dinge immer zu kurz. Vor allem die, die man nicht einfach abhaken kann, sondern die immer wieder auf der To-Do-Liste stehen. Sport, Musikinstrumente, Entspannungsübungen, Meditieren und so. Ich habe mal gelesen, dass das Gehirn keine halbfertigen Dinge mag. Ob das damit zusammenhängt? Aktivitäten dieser Art können ja schließlich per Definition nie abgeschlossen sein …

Eigentlich bin ich ja nicht mal unsportlich. Ich hab schon so einiges mit Begeisterung gemacht. Leichtathletik, Reiten, Krav Maga, Joggen … aber kaum hat man Kinder, hat man zwei Ausreden mehr, nämlich noch weniger Zeit und ein noch knapperes Monatsbudget.

Zu dem Thema habe ich schon so manches Buch gewälzt. Es waren durchaus ein paar interessante dabei und ich hab so manches über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns gelernt, ein sehr spannendes Thema. Aber so richtig Feuer und Flamme war ich zuletzt für das Buch „Viel besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben“ (ein furchtbarer Titel, ich weiß). Das hatte ich letzten Sommer in den Händen. Aufmerksame Leser werden jetzt sagen: Na ja, dann scheint es ja nix geholfen zu haben, wenn der Schreiberling (die Schreiberlingin?? die Schreiberline??) ein paar Sätze vorher noch lang und breit über die mangelnde Erziehung seines (ihres!!) Schweinehunds jammert.

Also, um etwas klarzustellen: Es ist auch nicht die Wunderwaffe schlechthin. Machen muss man es trotzdem selbst. Und manchmal helfen einem im Leben auch die gebündelten Weisheiten aus sämtlichen Ratgebern zu Motivation, Disziplin, Willenskraft und Macht der Gewohnheit nicht mehr weiter. (Aber das ist ein Thema für andere Beiträge.) Wichtig ist nur, dass man danach wieder aufsteht, die Krone richtet, „I’m Still Standing“ voll aufdreht und einen neuen Versuch wagt.

Aber zurück zum Wesentlichen:
In besagtem Buch erklärt der Autor Stephen Guise zunächst, warum man mit Gewohnheiten so viel weiter kommt als mit Vorsätzen. Das werde ich jetzt nicht im Detail ausführen, nur so viel: Diese Aussage ist tatsächlich wissenschaftlich fundiert.
Und im zweiten Schritt empfiehlt er, sich nur die kleinstmögliche Einheit vorzunehmen (sein Beispiel: ein Liegestütz pro Tag). Wichtig ist auch, sich auf dieein, zwei wichtigsten Baustellen zu beschränken. Wer gleichzeitig zu viele Mini-Gewohnheiten einführen will, wird aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern.1

Das also die Kurzfassung. Jedem Interessierten kann ich nur ans Herz legen, das Buch selbst zu lesen, das dauert auch gar nicht mal lang. Kann man auch eine Mini-Gewohnheit draus machen: ein Absatz pro Tag.

Und zum Abschluss noch drei andere Weisheiten aus diversen Schweinehundeschulen:
Man soll seine Vorsätze öffentlich verkünden, sich Mitstreiter suchen und das Ganze erst mal auf einen begrenzten Zeitraum anlegen, damit das Gehirn nicht Muffensausen bekommt vor der Unendlichkeit des Vorhabens („Waaaas, das soll ich jetzt für immer und ewig so machen??? Kann ich nicht!!!“).

Zu a): Ich werde also ab sofort jeden Tag meinen Nacken dehnen, einmal nach links und einmal nach rechts.
Zu b): Ich fordere euch hiermit heraus, mitzumachen und mir in die Kommentare zu schreiben, welche Mini-Gewohnheit ihr euch vorgenommen habt.
Zu c): Ich mach das jetzt erst mal drei Wochen.

In diesem Sinne: Die Schweinehundjagd ist eröffnet!

 

PS: Wer kennt das noch?

 

Empfehlenswerte Schweinehundschulen:

Das Günter-Prinzip: So motivieren Sie Ihren inneren Schweinehund, Stefan Frädrich

So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund: Vom ärgsten Feind zum besten Freund, Marco von Münchhausen

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Fußnote:

  1. Hab ich damals vor lauter Übermotivation erstmal ignoriert, man muss ja schließlich nicht alles glauben. Nur so viel: Er hat Recht.

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