Oder lieber nicht …

Es ist noch nicht lange her, da hab ich mich köstlich amüsiert über einen Zeitungsartikel und die darin thematisierte Facebook- bzw. Instagram-Seite „Gärten des Grauens“ hier und hier. Kurz und knapp: Es geht darum, den sich stetig ausbreitenden Steinwüsten in deutschen Vorgärten zumindest noch ein Quentchen Gutes abzuringen, indem man sich über die Auswüchse der Steinliebhaberei amüsiert. Es ist aber auch zu komisch, wie gut Plastikflamingos mit Grau harmonieren. Allzu häufig wird nämlich mittlerweile der Begriff des Steingarten ad absurdum geführt, indem man ihn zu wörtlich nimmt und statt einer Herberge für „Pflanzen der Gebirgsflora oder trockenheitsresistente Pflanzen“ einfach eine Herberge für Steine draus macht.

Jetzt ist mir das Lachen im Hals stecken geblieben – seh ich doch heute, wie ein grüner Transit Pickup von „Gartenbau Hastenichtgesehen“ vorfährt und eine Traube von Männern abwirft, die bewaffnet mit Schaufeln und Schubkarren antrabt und anfängt, den 0,5 x 20 m großen Seitenstreifen im Gemeinschaftsbereich auszubuddeln. Nix mehr Blumenwiese für Bienen und Erdbeerpflänzchen. Nach wochenlangem Ansäen, Gießen und Nachsäen hab ich diesem kargen Stück Erde gerade endlich ein paar grüne Keimlinge abgerungen. Jetzt sehe ich fassungslos zu, wie Schubkarre für Schubkarre diese mühevolle Arbeit in die Tonne getreten und durch seelenlosen Schotter ersetzt wird. Trotzdem regt sich sogar noch ein Funken Mitleid in mir für diese armen Kerle, die sich selbst wohl als Gärtner bezeichnen würden[en_note]oder nennen sich diese speziellen Vertreter der Zunft nur mehr neudeutsch „Landscape Engineers“???[/efn_note] und nun dem Prinzip des Gärtnerns so grundlegend zuwider handeln müssen.

Und auch eine gehörige Portion Selbstmitleid ist mit dabei. Ja, ich seh ein, ich bin selbst schuld. Wie sagte Driss in „Ziemlich beste Freunde“ so treffend?

Keine Arme, keine Schokolade

Also analog dazu: kein Eigentum, kein Mitspracherecht. Stattdessen werden wir Mieter nächstes Jahr bei der Nebenkostenabrechnung wahrscheinlich wieder kräftig nachzahlen dürfen. Meine Recherchen zum Thema „umlagefähig oder nicht“ haben bisher keine eindeutige Antwort ergeben.

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mal wieder ein paar dieser Bücher zum Thema Gelassenheit rauszukramen, bevor ich zum HB-Männchen (bzw. -Frauchen) mutiere.

Stattdessen nehm ich das Buch „Hier wächst nichts“ von Jörg Pfenningschmidt zur Hand und lese im Kapitel „SCHOTTER ohne Ende“:

Die Umwandlung in eine komplett mineralische Ausgestaltung des Vorgartens wird landesweit mit dem Hinweis auf die Pflegeleichtigkeit vorangetrieben. Nie wieder Unkraut, nie wieder Rasen mähen, nie wieder irgendwas. Eine Fläche wird komplett entsorgt. Und das im wortwörtlichen Sinn, denn man muss sich jetzt um diese Fläche keine Sorgen mehr machen. […]  der Keim seines Niederganges ist schon in dem allem zugrunde liegenden Versprechen angelegt, dieser Quatsch wäre pflegeleicht. Mitnichten, liebe Schotterbürger! Das Leben wird siegen und so wird der Wind stetig (auch jetzt gerade in diesem Moment!) feinste Spuren von Humus zwischen eure öden Steine wehen. Und nach ein paar Jahren ist die Humusschicht zwischen den  Steinen auf dem jetzt völlig sinnlosen Vlies hoch genug, damit der erste Löwenzahn, die kleine Quecke oder die erste Miere keimen kann. Habt ihr denn wirklich geglaubt, mit einem lächerlichen Vlies und einer dünnen Schicht Steinchen Pflanzen  stoppen zu können, die schon Millionen Jahre an erfolgreichem Existenzkampf hinter sich gebracht haben? So, und nun seht mal zu, wie ihr dieses Grün aus dem Schotter wieder herausbekommt. Grubber und Hacke geht ja nicht, denn da ist das Vlies im Weg und die Steine sind ja auch viel zu groß. Quält euch ruhig noch ein paar Jahre, versucht es auch gerne mit Flamme und Chemie, aber es wird nichts nützen. Ihr könnt den ganzen Murks abreißen lassen und noch mal richtig anfangen.

Ich werde darauf warten.

 

PS: Zu dem Thema würde ich mir einen Beitrag von Harry G wünschen!

PPS:

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