Ich hab mal von einer Familie gelesen, die 12 Wochen im Voraus festlegt, was sie an welchem Tag essen wird.1 Das wäre mir persönlich zu krass. Ich habe durchaus meine Lieblingsgerichte, aber das Ausprobieren neuer Rezepte würde ich mir nicht nehmen lassen wollen. Außerdem fehlt mir da die Ausrichtung auf die Jahreszeit bzw. konkret auf das Obst und Gemüse, was grad so Saison hat. Und ich hab ja schon Probleme damit, einem Plan für 7 Tage zu folgen. So ein 12-Wochen-Plan wäre bei mir von Vornherein zum Scheitern verurteilt.

Trotzdem übt das Thema Essensplan auf mich eine unerklärliche Faszination aus. Wahrscheinlich, weil sich bei uns immer wieder das Gleiche abspielt: Nach einer Weile Brotzeit am Abend2 bekomme ich Lust, endlich mal wieder „richtig“ zu kochen. Mir fallen tausend Gerichte ein, die wir schon lang nicht mehr gegessen haben oder die ich seit Ewigzeiten mal ausprobieren wollte. Ich gehe also einmal groß einkaufen, weil ich zumindest vernünftig genug bin zu wissen, dass aus dem Vorhaben nix wird, wenn ich erst jeden Tag aufs Neue frisch einkaufen muss. Diese Vernunft reicht aber leider nicht sehr weit, und so reite ich jedes Mal auf dem Irrglauben in den Supermarkt ein, ich würde es schaffen, jeden Abend in der Woche zu kochen. Folglich kaufe ich viel zu viel ein, und es kommt, wie es kommen muss: Hier und da sind einfach mal zu viele Reste übrig, die erst aufgegessen werden müssen, oder es fehlt plötzlich an einem Tag Energie oder Zeit, und an einem Tag am Wochenende sind wir vielleicht spontan gar nicht rechtzeitig zu Hause und essen unterwegs. Und so komme ich langsam, aber sicher ins Hintertreffen mit meiner ausgetüftelten Planwirtschaft, es artet in Stress aus und ich muss plötzlich zusehen, dass ich die Sachen im vollgestopften Kühlschrank überhaupt schnell genug aufgebraucht bekomme. Den Ärger, am Ende vielleicht etwas Verdorbenes wegschmeißen zu müssen, braucht keiner.
Auch scheine ich doch immer wieder zu verdrängen, dass tägliches Kochen eben auch einen Rattenschwanz an Mehrarbeit nach sich zieht (Küchenchaos beseitigen, manche nicht spülmaschinengeeignete Utensilien per Hand abwaschen, Spülmaschine häufiger ein- und ausräumen und so weiter und so fort). Und seit ich mit diesem Blog begonnen habe, ist ja da jetzt auch noch der Anspruch, meine besten Rezepte hier auf diesen Blog zu packen. Die Fotos und Notizen sind gemacht, aber ich komme einfach gar nicht mehr hinterher. Seufz.

Innerhalb kürzester Zeit habe ich es also wieder geschafft, dass es mir zu viel wird. Immerhin haben wir mal wieder ein paar mal lecker gegessen – aber nachhaltig schaut anders aus. Das würde ich gerne mal ändern – regelmäßig kochen (schließlich macht mir das Spaß!!), aber ohne mich immer wieder dabei zu verausgaben.

Was also tun? Wohl erstmal Ansprüche runterschrauben. Und mich beschränken auf dreimal kochen pro Woche statt jeden Tag. Wichtig wäre mir, dass wir einmal pro Woche Fisch essen, möglichst nicht ganz so oft Fleisch/Wurst und natürlich viel Gemüse. Das sind ja so die Eckpunkte (neben dem Olivenöl, das wir viel verwenden), wegen denen die sogenannte mediterrane Ernährung als sehr gesund gilt. Heißt aber nicht, dass es deswegen nur noch italienisch angehauchte Gerichte gibt. Abwechslungsreich soll es vielmehr sein, mal asiatisch, mal mediterran, mal gut bürgerlich. Nicht nur Fisch/Fleisch + Gemüse + Sättigungsbeilage, sondern mit Suppe, Auflauf, Pastagericht usw. auch bei den verschiedenen „Formen“ variantenreich. Und immer auch irgendwie „sinnvoll hauswirtschaften“: Weiterhin maximal einen größeren Einkauf pro Woche, also Gerichte mit verderblichen Zutaten bald nach dem Einkauf kochen, dafür für die restliche Woche Rezepte mit länger haltbaren Zutaten einplanen; und Einkäufe wirklich restlos aufbrauchen, bevor man sich dann wieder über die im Keller vergessenen und folglich ausgetriebenen Kartoffeln3 ärgert? Wie war das mit den Ansprüchen nochmal? 😉

Also, dann starten wir mal in die Woche. Mal sehen, wie’s läuft. Der Plan ist: Passend zur Saison gibt’s diese Woche endlich mal meine beiden ersten erfolgreich im eigenen Garten gezogenen Kürbisse (einen Spaghettikürbis und einen Hokkaido). Außerdem hatten wir ewig keinen Lachs mehr, also gibt’s nach der Forelle von letzter Woche wohl endlich mal wieder Lachs-Sahne-Spaghetti. Darauf beschränke ich mich jetzt mal …

Morgen gibt’s übrigens wieder den Saisonkalender, und die gesammelten Rezept-Beiträge folgen hoffentlich auch bald. In diesem Sinne: stay tuned!

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PS: In Julie & Julia geht es um zwei begeisterte Köchinnen, ihr Leben und ihre Leidenschaften: Kochen & Schreiben. Haupthandlungsstrang ist das Vorhaben von Julie Powell, innerhalb von 365 Tagen alle 524 Rezepte im Kochbuch von Julia Child nachzukochen, während man gleichzeitig etwas darüber erfährt, wie Julia Child dazu kam, dieses Kochbuch zu verfassen. Eine wunderbar beschwingte Komödie. Und ein Wahnsinnsprojekt. Ich würde wohl nicht mal die Hälfte an Rezepten in einem Jahr schaffen. Aber anschauen tu ich mir das natürlich gern …

PPS: Musste man vor 15 Jahren wirklich so rein gar nichts tun, damit der eigene Blog gelesen wurde, oder stellt der Hollywood das mal wieder viel zu einfach dar? Im Film wirkt es, als kämen die Leser ganz automatisch zu Julies Blog … wenn’s bei mir doch auch so wär 😉

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Fußnoten:

  1. https://sz-magazin.sueddeutsche.de/essen-und-trinken/kochen-essensplan-81956
  2. Immerhin kann ich ein einigermaßen ruhiges Gewissen haben, was die gesunde Ernährung von Sohnemann an Kindergarten-Tagen angeht – dort wird nämlich mittags frisch und abwechslungsreich mit viel Gemüse und kaum Fertigzeugs gekocht; ich habe mir sagen lassen, dass das Vorgabe ist, wenn in der gleichen Einrichtung Krippenkinder versorgt werden, das ist natürlich toll!
  3. Wer hat schon den mit konstanten 10 Grad perfekten Platz zur perfekten Lagerung von Kartoffeln? Unser Keller ist viel zu warm und im Kühlschrank haben sie ja auch nix verloren.

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